nostradamus-coup

27. September 2017
von irrewirre
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Der Nostradamus-Coup – wieder mehr als ein Thriller von Gerd Schilddorfer

Der Nostradamus-Coup führt seine Leser – wie seine Vorgänger aus der John-Finch-Reihe – wieder auf eine atemberaubende Reise. Es geht durch die Zeit und durch Europa, unter anderem in den Vatikan, zu den Templern und den Nazis. Auslöser ist ein geheimnisvolles Notizbuch aus den Händen eines libyschen Geheimdienstlers.

Ich gebe zu, dass mich das Cover zunächst, nun ja, nicht abgeschreckt, aber doch irritiert hat. Zwar spielt ein Flugzeug in den Romanen der Reihe um den Piloten John Finch immer eine große Rolle, aber zusammen mit dieser seltsamen „Sternzeichenuhr“ und mit Nostradamus im Titel war ich etwas besorgt. In der Leserunde bei Lovelybooks fügte ich meiner Befürchtungen den Namen Dan Brown hinzu.

Aber es heißt ja nicht umsonst „Don’t judge a book by its cover“. Auch nicht daran, ob es „nur“ als Taschenbuch erscheint. Drinnen steckt wieder ein typischer Schilddorfer. Das heißt: Klebezettel bereitlegen, um nicht den Überblick über Schauplätze, Figuren und Chronologie zu verlieren und sich immer wieder mit großem Vergnügen auf falsche Fährten locken lassen.

Für mich war „Der Nostradamus-Coup“ nach „Falsch“ „Heiß“ und „Löwenzahn und Himmelschlüssel“ das vierte Buch von Gerd Schilddorfer und das dritte der John-Finch-Reihe. Neueinsteigern rate ich natürlich dazu, unbedingt mit „Falsch“ zu starten und sich über „Heiß“ zum „Nostradamus Coup“ vorzuarbeiten. Allerdings baut der Autor immer wieder kleine Erinnerungen ein, die auf Vergangenes verweisen. Neulinge bekommen damit etwas mehr Informationen und für Wiederholungstäter ist eine kleine Auffrischung auch nie verkehrt. Schließlich haben Finch und seine Freunde (und Feinde) schon einiges zusammen mit mir erlebt. Das klingt vielleicht jetzt komisch, aber diese Bücher sind so mitreißend, dass ich das an dieser Stelle schreiben kann.

Fakten und Fiktion werden wunderbar zusammengeführt

Gerd Schilddorfer gelingt immer wieder spielend die Mischung aus packender Unterhaltung und Wissensvermittlung. Wenn man seine Arbeit verfolgt, bekommt man mit, dass er sehr viel Zeit in die Recherche für seine Bücher investiert. Gefühlt reicht schon die Information aus seinen Kommentaren in der Leserunde bei Lovelybooks für ein halbes Studium der (Kunst-)Geschichte! Mir gefällt die Mischung aus Fakt und Fiktion sehr. (Was würde ich dafür geben, dass die Antiquitätengeschäfte des IS ausgedacht sind!). Der Stil ist nicht künstlich überkandidelt, aber auch nicht sprachlich simpel. Ja, man kann die Bücher so ‚weglesen‘, aber zu unaufmerksam sollte man nicht sein…

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Ohne meine Klebezettel sage ich gar nichts!

Es geht im „Der Nostradamus-Coup“ teilweise so rasant zu, dass man beim Lesen im Bett den Fuß zum Bremsen raushalten will. Das galt auch manchmal für die wieder sehr aktive Leserunde bei Lovelybooks. Zum Ende hin bin ich dort immer fauler geworden – was aber auch damit zusammenhängt, dass ich die letzten 200 Seiten quasi in einem Rutsch gelesen habe und mich nicht aufhalten lassen wollte. Mein Buch ist jetzt ganz bunt markiert und mein Kopf voller neuer Geschichten und Menschen. Toll!

Wiedersehen mit Freunden

Die Hauptfigur John Finch ist ein interessanter Typ, nicht immer sympathisch, aber Beliebtheit steht bei seinen Lebenszielen wohl auch nicht ganz oben…er erlebte jede Menge Abenteuer, bleibt dabei aber eine glaubhafte Figur, ist kein Superheld mit übernatürlichen Kräften. Außer natürlich, was das Fliegen angeht… 😉

Es war mir eine Freude, wieder von seiner Kopilotin und Mechanikerin Amber, Llewellyn, Fiona, Peter und natürlich auch dem Papagei Sparrow zu lesen. Eine neue Figur hat es mir aber besonders angetan: der Kunstdieb Rebus. Er hat alles andere als eine weiße Weste, aber er stellt sich bei seinen Raubzügen sehr geschickt an und es ist ja auch für den guten Zweck. Na ja, er bringt die Kunstwerke ihren ursprünglichen Besitzern zurück. Was er am Ende des Buches tut…da ist mir ja im positiven Sinne das Herz gebrochen. Ich würde mich freuen, wenn aus der Überlegung, um ihn herum eine neue Serie zu starten, etwas wird.

Das Taschenbuch „Der Nostradamus-Coup“ von Gerd Schilddorfer ist am 14.10.2016 bei BASTEI LÜBBE erschienen und kostet 11,00 €. Die 798 Seiten gibt es auch als E-Book. Mein Exemplar wurde mir im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks kostenlos zur Verfügung gestellt.

(c) Deutscher Hörbuchpreis

9. März 2017
von irrewirre
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Deutscher Hörbuchpreis 2017: Die Verleihung

Dienstag war es endlich so weit: Der Deutsche Hörbuchpreis 2017 wurde in Köln verliehen. Zusammen mit einer Gruppe aus Bloggern, Instagrammern und Twitterern war ich wieder dabei. Da es bereits das zweite Mal war, wussten wir natürlich schon, wie alles abläuft. Spannend war es trotzdem.

Im strömenden Regen machte ich mich mit meiner kleinen „Reisegruppe Ruhrgebiet“ auf den Weg nach Köln, wo wir auch gutgelaunt ankamen und kurzfristig sogar der Regen aufhörte.

Hallo Köln! Hallo #dhp2017!!

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Wir hatten noch ein wenig Zeit für den obligatorischen Besuch im örtlichen Spielwarenhandel und dann war es endlich spät genug für den Einlass.

Fototermin mit „Geheimnis“

Dieses Mal startete unser Programm etwas früher, da wir auch am Verlegerempfang und Fototermin teilnehmen durften. Weiterlesen →

Bild: Frank Witzel

6. März 2017
von irrewirre
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Vom preistgekrönten Roman zum ausgezeichneten Hörspiel

Der Titel „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“ ist ja schon mal ein Knaller. Ist das Hörspiel so wie gut wie sein Name und hat es den Deutschen Hörbuchpreis als bestes Hörspiel verdient?

Nicht nur der Titel, sondern auch das Hörspiel an sich ist eine kleine Herausforderung. Die Geschichte wird nämlich aus zwei Perspektiven erzählt, von einem Jugendlichen ohne Namen und der gleichen Person über 40 Jahre später. Zusätzlich stellt sich dann heraus, dass wir diesen Erzählern nicht vertrauen können. Der Ältere weist mehrmals auf sein Problem der Unterscheidung von Erinnerung, Gegenwart und Vorstellung hin, außerdem sind der Aufenthalt im Sanatorium und Gespräche mit einem Psychologen ein Thema.

Geschichten erzählen

Immer wieder wird klar, dass der Junge phantasiert und sich offenbar sein Leben gerade bunter ausmalt, als es wirklich ist. Manchmal wird im Nachhinein klar, dass man gerade einen Rückblick gehört hat oder eben eine, ich unterstelle ihm das mal, Wahnvorstellung. Aber man kann sich eben nie sicher sein, was wahr ist (oder einfach nur für ihn gerade wahr ist) und wird oft in der Schwebe gelassen, angefixt von Andeutungen. Vieles wird besonders ausgeschmückt, ist dann aber so erfunden wie die Sünden im Beichtstuhl. Zusätzlich sagt der Ältere auch, dass sein Wahnsinn nur ausgedacht sei. Klingt kompliziert? Ist es tatsächlich auch ein bisschen, es ist aber eben auch ein tolles Spiel. Weiterlesen →

Manhattan Transfer

2. März 2017
von irrewirre
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Das Großprojekt unter den Preisträgern: „Manhattan Transfer“

Im Gegensatz zu „Ach, diese Lücke…“ war mir der Roman „Manhattan Transfer“ auch schon vor der Auszeichnung Hörbuch des Jahres 2016 der hr2-Hörbuchbestenliste durchaus ein Begriff, genau wie der Autor John Dos Passos. Allerdings kannte ich keinen seiner Texte, vom im selben Jahr geborenen F. Scott Fitzgerald (z.B. „Früher Erfolg“ oder „Zärtlich ist die Nacht“) dafür umso mehr.

Das pralle Leben: New York 1896-1924

Die Hüllen der CDs geben den zeitlichen Rahmen bereits preis. Der Roman, und damit auch das Hörbuch, lässt sich nämlich in drei Teile gliedern. Er spielt 1896-1905, 1913-1916 und 1918-1924. Es geht also um eine geschichtlich, politisch, wirtschaftlich und kulturell interessante Zeit. Beim Angebot einer Zeitreise würde ich diese Periode auf jeden Fall in die engere Wahl nehmen.

Dass die Geschichte von „Manhattan Transfer“ vor über 100 Jahren spielt, konnte ich beim Hören aber oft vergessen. Gut, es mag heute weniger (aber nicht überall kein) Problem sein, Damen- oder Herrenbesuch mit auf das Zimmer zu nehmen, aber sind unsere Probleme heute so anders als die der Figuren? Sie lieben sich, sie streiten sich, sie wollen groß heraus kommen, sich emanzipieren, Geld verdienen, sozial aufsteigen, sich selbst verwirklichen und das alles vor der Kulisse der Großstadt New York. Weiterlesen →

1. März 2017
von irrewirre
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Beste Unterhaltung: „Ach, diese Lücke … “ von Joachim Meyerhoff

Dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, möglichst viele der Hörbücher, die mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2017 ausgezeichnet werden, zu hören. Per Zufall war das erste Hörbuch der Preisträger in der Kategorie Bestes Hörbuch „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Joachim Meyerhoff.
Bevor ich seinen Namen in der Liste der Preisträger sah, hatte ich von Joachim Meyerhoff noch nie etwas gehört oder gesehen. Zumindest konnte ich mich nicht erinnern.* Der Titel seines Buches sagte mir nichts. Alles was ich vor dem Einschalten wusste, hatte ich von der Hülle des Hörspiels erfahren: 
„Mit zwanzig Jahren wurde ich zu meiner großen Überraschung in München auf einer Schauspielschule angenommen und zog, da ich kein Zimmer fand, bei meinen Großeltern ein. Diese beiden Welten hätten nicht unterschiedlicher sein können. Davon will ich erzählen: von meinen über alles geliebten Großeltern, gemeinsam gefangen in ihrem wunderschönen Haus, und davon, wie es ist, wenn einem gesagt wird: ‚Du musst lernen, mit den Brustwarzen zu lächeln.‘“
Joachim Meyerhoff verbindet auf grandiose Weise Komik und Tragik miteinander. Im dritten Teil der Romanreihe „Alle Toten fliegen hoch“ nimmt sein Held sich und seine Umwelt immer genauer wahr und erkennt überall Risse, Sprünge, Lücken.
Hier versprach mir ein Zitat aus der Rezension von Deutschlandradio Kultur, dass die fast 12 Stunden „Hochgradig amüsant und mit bewegendem Tiefgang.“ werden. Also so, wie ich das in der Kategorie Beste Unterhaltung erwarte.

Live gelesen und dann auch noch vom Autor selbst?

Ich war sehr skeptisch, denn Live-Lesungen und Lesungen von Autoren gehören nicht gerade zu meinen Favoriten.

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