Frühstückskekse. Oder: Was eine Produktprobe so auslösen kann.

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Habe ich den Trend verpasst oder esst ihr auch keine Kekse zum Frühstück? Jetzt mal abgesehen von Festivals, Urlaub oder dem Tag nach einer Party?

Eben beim Einkaufen fiel mir an der Kasse ein kleiner Stand auf. An dieser Stelle werden gerne mal Neuheiten präsentiert, oft sind das Minipackungen zu Maxipreisen. Heute stand „Kostenlos“ dran. Ja dann. Was es gab? Probepackungen vom „belvita Frühstückskeks“. Ich weiß nicht, ob noch andere Geschmacksrichtungen dabei waren, wir haben jedenfalls Cranberry erwischt.

Die Packung verspricht „Energie für den ganzen Vormittag“ mit dem üblichen *, das mich auf Folgendes hinwies: „Als Bestandteil eines ausgewogenen Frühstücks ermöglicht belVita die kontinuierliche und schrittweise Abgabe von Kohlenhydraten über vier Stunden. Dies wurde in mehreren klinischen Studien belegt.“ Hört sich irgendwie mehr nach einem Medikament als nach Frühstück oder Keks an. Gibt es eigentlich noch andere Kekse, die ihr ‚Können’ in klinischen Studien bewiesen haben? Mir sind noch keine untergekommen. Außerdem zu lesen: „Mit 5 Cerealien aus dem vollen Korn.“ Den Kommentar zum Wort Cerealien verkneife ich mir an dieser Stelle. Der Serviervorschlag ist wie immer auch sehr amüsant. Abgebildet ist ein Stapel Kekse mit Getreideflocken, Cranberrys und den dazugehörigen Blättern. Na dann, guten Appetit!
Die Kekse schmecken ganz gut. Wie erwartet nach Getreide und Cranberry, schon irgendwie ‚gesund’ und im Vergleich zu ‚normalen’ Keksen weniger süß.

Zu Hause angekommen habe ich mir die Verpackung dann genauer angesehen und den QR-Code benutzt, der übrigens so aufgedruckt ist, dass man die Packung total aufreißen muss, um ihn zu fotografieren. Ich wurde auf die „Bei uns zu Hause“ Seite  von Kraft gelotst. Ich erfuhr, dass es noch zwei andere Geschmacksrichtungen gibt, „Knusprige Cerealien“ und „Milch & Cerealien“. (In anderen Ländern, u.a. Venezuela, Brasilien, Kolumbien, Rumänien, UK, USA, gibt es die Kekse schon länger und in anderen Geschmacksrichtungen.) Von der Startseite aus lässt sich übrigens nichts über belVita finden. Dafür stößt man mit Suchmaschinen auf jede Menge Hotels und Altenpflegedienste. Auf der Seite von Kraft fand ich über die Suche nichts zu belVita, aber auf anderem Wege eine Pressemitteilung vom 12.05.2012: zu dem neuen Produkt. In dieser werden die Kekse als „smarte Lösung“ für Leute präsentiert, die keine Zeit zum Frühstücken haben. Quasi Frühstück ‚to go’. Ob das allerdings noch so praktisch ist, wenn man den folgenden Tipp befolgt?

„Zusammen mit einem Stück Obst, einem Milchprodukt und einer Tasse Kaffee oder Tee liefert belVita, als Bestandteil eines ausgewogenen Frühstücks, Energie für den ganzen Vormittag.“
Was die Kekse so ‚gesund’ macht, sind übrigens nicht nur Getreideflocken, sondern auch die zugesetzten Vitamine E, B1 und B3, Eisen und Magnesiumcarbonat. Wenn ich ein Frühstück ‚to go’ brauche, wird das wohl weiterhin eine Banane, ein Apfel oder ein belegtes Brötchen sein.

Die Kekse sollen bereits seit Ende Mai (KW 22) im Handel sein. UVP für eine Packung (6×4 Kekse) ist 2,89 Euro.
Der Geschmack überzeugt mich nicht, um diesen Preis dafür zu bezahlen. Vielleicht bin ich alt, konservativ und langweilig. Aber Kekse sind für mich kein Teil des Frühstücks und wenn ich Kekse esse, möchte ich richtige Kekse. Und mit richtig meine ich auch richtig ungesund. Ich weiß, dass in Schokolade keine Milch steckt, dass ich durch den Verzehr von Süßigkeiten oder Burgern nicht zum Sportass werde und dass in Erdbeerjoghurt selten Erdbeeren sind. Ich koche gerne, ich esse gerne und manchmal suche ich mir mit voller Absicht etwas Ungesundes aus. Weil ich es kann. Für mich sind die belVita Kekse ein überflüssiges Produkt. Die besten Kekse macht eh meine Oma und die esse ich jetzt auch!

3 Kommentare

  1. Guter Beitrag!

  2. Hab mich auch überreden lassen (Der Schweinehund hat zu mir gesprochen, schnell, gesund, kein Brötchen schmieren) Mist wars, schmeckt wie Pappendeckel durch Zuckerwasser gezogen! Da lob ich mir ein ungesundes Weizenbrötchen mit ehrlicher Butter drauf und selbstgemachter – wenns geht, auch gekaufter- Marmelade! Wenn nur das schmieren nicht wär! 🙂

  3. Schöne Produktstudie. Ich bin spontan ganz bei dir: Kekse sind kein Frühstück – für mich nicht. Allerdings hat dein Post so einige flaue Reiseerinnerungen in mir wach gerufen an Morgen in fremden Ländern, in die ich mit wackeligen Knien schritt: weil es zum Frühstück eben nur ein paar Kekse gegeben hatte. Wo?
    Genaueres habe ich verdrängt, aber mir ist so, als sei das in Spanien, Ungarn, Frankreich, Portugal und Italien so gewesen. Vor einer 30-km-Jakobsweg-Etappe z.B. gab die Albergue pro Person einen Café und 3 Maria-Kekse aus. Spätestens nach einer Stunde mussten wir also zu einem richtigen Frühstück Halt machen. Naja, Spanien & Co. sei zu Gute gehalten: Kekse sind wirklich die Sparversion des Frühstücks, z.B. in billigen Hostels. Die gute Küche serviert frische Croissants oder anderes Süßgebäck mir ordentlich Zucker und Fett zum Tunken in den Café au lait, Cappuccio und Galao. Und mittags und abends pflegt mensch dort ja jeweils ein üppiges Menü zu sich zu nehmen.
    Spannende Frage für Deutschland: Gibt es die belVitas noch im Supermarkt? Und haben sie gar Markenkonkurrenz bekommen?!

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