irrewirre

22. April 2012
von irrewirre
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Der Budenzauber wirkt noch

Im Ruhrgebiet bleibt man dem Kiosk um die Ecke trotz wachsender Konkurrenz treu

In Bochum hört man immer wieder die Geschichten von der guten alten Zeit, als die ältere Generation ihr Taschengeld für eine gemischte Tüte an der Bude ausgab. Später war es dann ein Bier, das man dort ganz ungezwungen trinken konnte. An jeder Ecke gab es eine Bude, da kamen alle zusammen und es gab keine Unterschiede zwischen den Menschen.

So weit der Mythos. Aber kein Geschäftsinhaber kann sich nur mit Nostalgie finanzieren. Alleine in der Oskar-Hoffmann-Straße haben in den letzten Monaten 2 Buden geschlossen. Eine steht leer, in der anderen findet man jetzt einen kleinen Verlag. Sterben die Buden langsam aus? Die Studie „Der deutsche Kioskmarkt“ der Unternehmensberatung Bain & Company sagte bereits 2008 ein Schrumpfen der Branche voraus. Die Unternehmensberater gehen von einem jährlichen Rückgang um 1 % aus. Der Tipp: Um zu überleben, müsse das Angebot um frische Produkte und Convenience-Produkte erweitert werden, die außerdem größere Gewinnmargen bedeuten.

Der „Verkaufsshop“ am Steinring hat also Zukunftschancen. Bereits von draußen ist das Metallregal mit den über 50 Sorten Süßigkeiten nicht zu übersehen. Aber erst mit dem Betreten des Ladens wird klar, was für ein großes Sortiment man auf rund 14 Quadratmetern in bis an die Decke reichenden Regalen unterbringen kann. Der Besitzer Markus Dimitriadis spricht mit einer ungewöhnlich hohen, leicht heiseren Stimme von seinem Kiosk als eine Art Tante Emma Laden. Er hat jede Menge Konserven, Batterien, Hygieneprodukte, Zeitschriften und auch Tierfutter im Angebot. Seiner Überzeugung nach kann man heutzutage nur mit einem vielfältigen Angebot Kunden bekommen. Seine Parole „Man muss alles verkaufen.“ Es dürfe nicht passieren, dass ein Kunde das gewünschte Produkt nicht bekomme. Dimitriadis fragt stattdessen immer mal wieder nach den Wünschen seiner Kundschaft. Natürlich kann es sein, dass ein bestimmtes Produkt dann nur von einem Kunden gekauft wird. Aber damit müsse man leben. Eine Studie des Competence Center for Convenience an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht i.Gr. (Wiesbaden) von 2011 gibt ihm recht. Von den Befragten bemängelten 26% das zu kleine Sortiment und kaufen daher woanders ein. Die Wünsche beinhalten Lebensmittel (31%) und insgesamt eine größere Auswahl (28%).

Das Angebot muss die Kunden natürlich auch erreichen. Die Lage des „Verkaufsshops“ ist vorteilhaft und bereits 1955 machte hier ein Kiosk auf. Eine Bus- und Straßenbahnhaltestelle, an der viele Schüler der benachbarten Schulen einsteigen, ist nur 50 Meter entfernt. In der Nachbarschaft wohnen sowohl Studenten als auch Rentner. Einige Gewerbeflächen runden die Mischung ab, die sich auch in der Kundschaft des Kiosks widerspiegelt. Wer sich hier auskennt, weiß aber auch, dass die Konkurrenz, eine Tankstelle und Supermärkte, auch nur wenige hundert Meter entfernt ist. Die Tankstellenshops haben ihr Sortiment immer weiter ausgebaut. Mit der Liberalisierung der Ladenschlussgesetze verloren die Buden einen ihrer Wettbewerbsvorteile. Der Umsatz geht auch bei Dimitriadis zurück, aber noch ist er zufrieden. Jetzt wird es Frühling und er hat gute Laune, denn das schöne Wetter lockt mehr Kunden an, die spontan Süßigkeiten, Bier oder Eis kaufen. So kann der Verkäufer den geringen Verdienst aus dem Winter ausgleichen. Das schafft er auch dadurch, dass die ausgehängten Öffnungszeiten nur ungefähre Angaben sind. Wenn es an einem Sommerabend gut läuft, bleibt der Kiosk auch bis nach Mitternacht offen. An einem Wintermorgen macht er dann lieber später auf. Schließlich steht er den ganzen Tag alleine im Laden. „Wir haben auch mal Brötchen angeboten, aber das hat sich nicht gelohnt. So kann ich 20 Minuten länger schlafen.“ Er lächelt fast ein bisschen beschämt und gießt sich noch einen Kaffee ein. Trotz ständigen Schlafmangels ist er zu jedem Besucher freundlich. „Ohne Freundlichkeit geht nichts.“ Die ältere Dame auf der Suche nach einer Arztpraxis wird ebenso herzlich begrüßt und verabschiedet wie die Stammkunden. Bei denen weiß Dimitradis schon, was sie möchten. „Wie immer die Bigbox?“ Eine andere Kundin, weiß noch gar nicht, was sie sucht. „Was sind das für Tüten, die mein Enkel hier immer holt?“ Dimitriadis weiß sofort Bescheid, es sind Fußballkarten. Das Geschäftliche ist schnell geregelt. Im Supermarkt würde jetzt wohl der nächste Kunde drängeln. Dimitriadis aber erkundigt sich nach einer gemeinsamen Nachbarin, um die sich die Kundin kümmert. Der soziale Faktor der Bude spielt also weiterhin eine große Rolle und macht den Unterschied. Es ist also nicht alles Nostalgie, was man über diese Läden hört. Die Buden sind noch immer ein Stück Ruhrgebietskultur und werden es wohl auch bleiben. Markus Dimitriadis ist jedenfalls davon überzeugt, dass auch sein Nachfolger erfolgreich sein wird. Die gemischte Tüte am Steinring ist also vorerst gesichert.

4. Dezember 2011
von irrewirre
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Was haben Manuel Andrack und Wladimir Putin gemeinsam?

Anlässlich der Duma-Wahl in Russland möchte ich einen alten Blogtext vom 15. Juni 2007 erneut veröffentlichen, der die Antwort auf die Überschrift enthält.

„Walodja das Scheißhaus oder Manuel Andrack live

Ich würde mal sagen: ein Höhepunkt des Jahres.

Gestern Abend im Schauspiel Essen, Heldenbar. Auf dem Programm stand „Kröcks Kapitale Kritik – Das Kochstudio zur Weltverbesserung“ und ich finde einfach, dass schon dieser Titel mehr als erwähnenswert ist. Der Abend läuft so ab: Olaf (also der Herr Kröck) hält einen kleinen politischen, propagandistischen und polemischen Vortrag, trägt dabei eine alte Polizeiuniform, dann kommen Gäste, die was erzählen und dabei wird gekocht. Das Ergebnis wird nachher gemeinschaftlich verspeist.

Der mit entsprechen Bildern angereicherte Vortrag beschäftigte sich gestern mit der Nachlese des G8-Gipfels (beim letzten Mal ging es um „Die kleine Protestfibel“) und wie immer bekam dabei jeder sein Fett weg, von Angela über Georgie bis zu Wladimir.
Ach ja und bitte bemüht euch um die Wörter ‚blümerant‘, ‚Dreikäsehoch‘ und ‚Schlüpfer‘, die sind nämlich vom Aussterben bedroht, bzw. vom Nichtgebrauch.

Danach wurden als Gäste empfangen: Manuel Andrack und sein bester Freund Victor Calero.
Während Olaf sich um die Schnitzel kümmerte (aus Anlass von Andracks [nach dem gestrigen Abend bin ich schon geneigt ihn nur noch Manuel oder ‚Manu‘ zu nennen…;-)] Österreichreise gab es „normale“ und Wiener Schnitzel), unterhielten sich die beiden Freunde zur Freude aller Anwesenden. Natürlich wurde über die Harald Schmidt Show und Oli Pocher geredet. Sozusagen als erste Pressekonferenz (fast) ohne Presse erklärte Andrack, was die Medien so alles berichten und wie wenig davon wahr ist. Er jedenfalls hat kein Problem, wenn sein Redaktionsleiter-Pult nicht mehr von der Kamera erfasst wird. Außerdem macht er zusammen mit dem Victor demnächst eine Wandersendung im WDR. Ha.
Victor machte sich 1990 auf den Weg nach Russland, um dort Schauspiel zu studieren. Im Zug lernte er einen russischen Soldaten kennen, der gerade aus Deutschland abgezogen worden war. Walodja war zwar ziemlich unsympathisch, bot aber Hilfe an, falls Victor und sein Begleiter einmal Probleme haben sollten. Eines Tages wurde dieses Versprechen auf einem russischen Amt eingelöst. Die beiden konnten an der Schlange vorbeigehen, der gerade im Büro befindliche Herr wurde hinausgeschickt und alles für die Deutschen erledigt. Dank Walodja, von den beiden liebevoll „das Scheißhaus“ genannt. Der Kontakt brach, wie von Victor gewünscht, ab. Im Jahr 2000 schlug er die Zeitung, in der ein ihm bekanntes Gesicht abgebildet war: Walodja, das Scheißhaus. Sein richtiger Name ist Wladimir und die Bildunterschrift verriet seinen Nachnamen und seinen neuen Job: Putin, russischer Präsident.
Das war eindeutig die beste, aber nicht die einzig gute und witzige Geschichte des Abends. Die beiden sind einfach abendfüllend, schon alleine in einer Diskussion über Zeigefinger oder Handies und andere moderne, von Andrack nicht bevorzugte Technik.
Manuel hat außerdem noch ein paar Bilder von seinen Reisen gezeigt, besonders wichtig das Selbspoträt beim Fahrrad fahren (schwierig!) und vor dem Plakat der Band Die Angefahrene Schulkinder ‚Jazz ist keine gute Fickmusik‘ Tour (Lokaler Pluspunkt aus unserer Sicht. Andrack und Calero mögen keinen Jazz – stattdessen hat Manuel vorgeführt, was seiner Meinung nach Pogo ist.).
Netterweise hat er von seinen vielen Österreich-Werbeprodukten den Obstler rumgehen lassen, auch wenn er, als er bei mir ankam, schon so leer war, dass ich von den beiden aufgefordert wurde, artig zu Teilen.
Also ein rundum gelungener Abend. Ach ja, Schnitzel und Brötchen waren auch lecker.
Und falls jemand von euch aus Essen kommt und die Essener Loveparade-Streckenbewohner als Studentenjobber über ihr Schicksal informieren möchte, der soll sich bei mir melden.
Zu guter Letzt hat der Manuel uns Tschüss gesagt, als wir ihn auf dem Weg zum Bahnhof noch mal trafen. Manuel Andrack hat tschüss zu mir gesagt. Manuel Andrack hat Tschüss zu mir gesagt. Manuel Andrack hat Tschüss zu mir gesagt…. :-).“

Die Lösung ist also: Sie haben einen gemeinsamen Bekannten.
Aus der Wandersendung der beiden (Andrack und Calero, nicht Putin) ist wohl nichts geworden.
Kröcks Kapitale Kritik gibt es seit dem Intendantenwechsel nicht mehr.

Manuel Andrack ist jetzt auch unter die Fernsehköche gegangen.
Victor Calero ist am Theater Freiburg beschäftigt.
Wladimir Putin ist abwechselnd Präsident und Ministerpräsident Russlands.

2. Dezember 2011
von irrewirre
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1. Text, 2. Türchen

Ich mag Adventskalender, weil ich Überraschungen mag und schon mit ganz tollen Adventskalendern beschenkt wurde.
Natürlich grase ich seit gestern auch wieder das Internet nach Adventskalendern ab. Hier verrate ich euch jetzt eine Auswahl meiner bisherigen Funde. Die Liste ist total beliebig in der Auswahl und reihenfolge. Keiner der Anbieter zahlt mir irgendetwas dafür, dass ich hier etwas darüber schreibe. Ich habe auf die Nennung von Adventskalendern verzichtet, für deren Teilnahme man seine Postadresse angeben muss.

1. An erster Stelle muss ich hier den Kalender von ROOF Music nennen.  Das Hintergrundbild finde ich schön und die Funktionsweise ist denkbar einfach. Wenn ihr auf das aktuelle Türchen klickt, sollte sich euer Mailprogramm öffnen. Ihr dürft den Mitarbeitern natürlich gerne eine freundliche Nachricht hinterlassen, auch wenn das sicher nicht entscheidend ist. Vielleicht wird noch daran gearbeitet, die Teilnahme auch ohne Verwendung eines Mailprogramms möglich zu machen? Am nächsten Tag wird der Gewinner bekannt gegeben und vor allen Dingen auch der Gewinn.
Ich habe heute eine Mail aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bekommen und habe 2 Karten für „2 alte Hasen erzählen von früher“ gewonnen. Am 12.12. sitzen wir also im Ebertbad.

2. Da ich ein Fan von Hörspielen bin, ist mir der Kalender der Audible GmbH natürlich nicht entgangen. Johanna Steiner, Mitarbeiterin der Lauscherlounge (und in dieser Funktion für mich immer eine nette und kompetente Beraterin auf der Buchmesse) hat ein Hörspiel geschrieben, in dem die Audible-Mitarbeiter als Sprecher fungieren. Das ist eine tolle Idee, gut umgesetzt und sehr unterhaltsam. Ich kann außerdem keinem Hörspiel widerstehen, bei dem Helmut Krauss der Erzähler ist. Ihr müsst einfach auf das passende Türchen klicken und zuhören. Im Gegensatz zu anderen Adventskalendern, die mit Glockengebimmel nerven, lohnt es sich hier also, die Lautsprecher voll aufzudrehen und zwar auf Ohredebil.de.

3. Noch ein Hörspielkalender. Im Hörplanet Adventskalender versteckte sich hinter den ersten beiden Türchen der Anfang von „Alice – Neues aus dem Wunderland“. Es ist also auch ein Hörkalender. Ich hatte das Hörspiel nicht gekauft, weil es mich nicht ausreichend interessiert. So kann ich es doch hören. Ich bin gespannt, ob es über den Adventskalender komplett hörbar sein wird. Aber die Jungs haben sich bestimmt noch einiges einfallen lassen um die 24 Tage spannend zu machen.

4. Wer in der Region Landshut wohnt und dort mal wieder ins Theater gehen möchte, der kann Karten im Adventskalender des Landestheaters Niederbayern gewinnen. Um teilzunehmen, muss man eine E-Mail schreiben. Da jeweils die ersten Teilnehmer gewinnen, empfiehlt es sich, pünktlich um 12:00 vorbeizuschauen.

5. Auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hat einen Adventskalender. Dort wird jeden Tag eine Frage zur Entwicklungspolitik gestellt. Die Antwort findet sich auf der Seite des BMZ und ist natürlich einfach zu finden. Das Ministerium will ja auch keine unmöglichen Fragen stellen, sondern informieren. Wer sich schlau macht und Glück hat, kann ein Paket mit Produkten aus fairem Handel gewinnen. Also eine rundum faire Sache.

6. Musikalisch geht es hingegen im Blog-Adventskalender von Thorsten Sperzel. Hier wird  jeden Tag ein Musikvideo gepostet. Ob ihr seinen Musikgeschmack teilt, könnt ihr auch noch herausfinden, indem ihr die 24 Videos des letzten Jahres abspielt.

7. In meiner Liste darf der XBOX Adventskalender natürlich nicht fehlen. Allerdings lohnt dieser sich nur für Besitzer einer XBOX, da dort Spiele, Punkte und Goldmitgliedschaften verlost werden. Natürlich könnt ihr die erhaltenen Gewinncodes auch fleißig verschenken, dafür müsst ihr euch aber bei XBOX LIVE registrieren und dann beim Adventskalender. Ich fand die etwas aufwändigere Variante des letzten Jahres mit den Spielen auf dem Weihnachtsmarkt sehr schön. Dieses Jahr geht es etwas schlichter zu: Ihr müsst einfach die passende Zahl finden, seht dann einen Trailer für ein Spiel und erfahrt, ob ihr einen Sofortgewinn bekommt. Für die Teilnahme könnt ihr außerdem Glückssterne sammeln, um bei der Hauptverlosung Chancen zu haben. Diese steigen mit der Anzahl der Sterne. Goldmitglieder bekommen übrigens 2 Lose täglich. Die Nutzung könnte sich aber schwierig gestalten, da die Seite oft überlastet ist. Durch die Wahl eines Spielertyps nach der Anmeldung habt ihr übrigens Einfluss auf das Aussehen des Kalenders (und wahrscheinlich auch auf die Preise).

8. Ebenfalls mit einer Anmeldung, aber bei twitter, könnt ihr beim Tweetkalender von alverde (Naturkosmetikmarke von dm) mitmachen. Jeden Tag wird ein Foto getwittert, unter dem dann die notwendigen hashtags für eine Teilnahme stehen. Zu gewinnen gibt es natürlich alverde Produkte. Bisher waren Überraschungspakete abgebildet. Wenn ich mich richtig erinnere, gab es im letzten Jahr solche Pakete, aber auch welche, bei denen der Inhalt bekannt war.
[Muss ich über Tweet and Win von CinemaxX noch was sagen? Ich habe den Eindruck, dass da bereits Millionen mitmachen.]

9. Nach der Naturkosmetik kommt der Adventskalender der Grünen in NRW. Hier findet ihr Informationen, Tipps und Gewinne gibt es auch. Den Anti-Atom-Pulli hätte ich ja auch genommen. Um teilzunehmen müsst ihr den Beitrag zum Türchen kommentieren und so eure Mailadresse hinterlassen.

10. Ich mag QR-Codes. Und weil ich mit dieser Haltung nicht alleine dastehe, gibt es damit dieses Jahr auch einige Adventskalender. Die Agentur DAVIES MEYER stellt euch einen zur Verfügung, den ich getestet und für gut befunden habe. Ich will euch nicht zuviel verraten, aber hinter den ersten beiden Codes der 24 QRCHEN verstecken sich YouTube-Videos. Catcontent inklusive.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren der Kalender und freue mich über weitere Tipps. Wenn ich noch weitere interessante Kalender entdecke, werde ich natürlich darüber berichten.