irrewirre

14. Mai 2013
von irrewirre
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F. Scott Fitzgerald „mal privat“: Früher Erfolg

Von dem Autoren F. Scott Fitzgerald habe ich tatsächlich in der Schule das erste Mal gehört. 14 Jahre Schule haben sich also doch gelohnt! 😉
Wir haben „The Great Gatsby“ gelesen und am Ende der Einheit sahen wir die Verfilmung mit Michael Caine und Mia Farrow. Wenn die Neuverfilmung, die ab Donnerstag in den deutschen Kinos zu sehen ist, auf DVD erscheint, wird in den Schulen wohl schnell der Ruf nach Leonardo DiCaprio und Tobey Maguire ertönen. Mir blieb von damals neben der Erinnerung an die tollen Autos im Film vor allem der Name Fitzgerald im Gedächtnis. Bis ich dann tatsächlich ein weiteres Buch mit dem Aufdruck ‚Fitzgerald‘ las, vergingen Jahre und dann stand noch nicht mal ‚F. Scott‘ davor, sondern Zelda. Aber auch der Roman seiner Frau hat mich sehr begeistert.

Nun habe ich endlich wieder etwas von F. Scott Fitzgerald gelesen. Keinen Romane und keine Erzählung, sondern eine Sammlung von Essays namens „Früher Erfolg“. Darin geht es um Erfolg und Misserfolg, sein Familienleben und den ewigen Kampf, mit dem verdienten Geld über die Runden zu kommen.

Bereits die Titel sind sehr vielversprechend, so zum Beispiel „Wie man 36 000 Dollar im Jahr verprassen kann“, „Hundert Fehlstarts“ oder „Wie man Stoff vergeudet – Eine Notiz über meine Generation.“ Letzterer zeigt auch, dass Fitzgerald nicht nur mit sich selbst beschäftigt war, sondern auch einen Blick auf die Gesellschaft seiner Gegenwart warf. Dieser ist auch heute noch interessant und zu großen Teilen auch gute Unterhaltung und trotz des ernsten Hintergrundes komisch. So zum Beispiel in dem Text “Phantasie- und verschiedene Mütter” aus dem Jahr 1923. Fitzgerald schreibt:

Laut den Statistiken, die letztes Jahr vom Staat Arkansas erstellt wurden, räumen siebenunddreißig von einhundert Frauen ein, in erster Linie geheiratet zu haben, um von zu Hause wegzukommen. Diese Zahlen sind alarmierend. Dass neunzehn dieser siebenunddreißig Frauen sich nach Hause zurückgewünscht haben, sobald sie verheiratet waren, ändert nichts an der erschreckenden Ausgangssituation. (Seite 102)

Er spart nicht an Selbstironie, äußert Selbstzweifel , aber auch viele seiner Zeitgenossen bekommen ihr Fett weg. Einige davon sind heute sicher nicht mehr jedem bekannt. Zum Glück gibt es im Anhang einige Anmerkungen zu Personen und Geschehnissen. Leider wird im Text selber nicht darauf hingewiesen, so dass man immer mal wieder hin und her blättern muss um nachzusehen, ob es für die gerade gelesene und unverständliche Stelle eine Erklärung gibt.

Die Essays selber sind nicht alle von gleich Qualitäter und sind nicht immer die früheren, die meinen Geschmack weniger trafen. Einige schwächere haben mich das Buch schon mal länger weglegen lassen. Manche Themen interessierten mich einfach nicht so brennend und manche Stellen waren mir zu langatmig. Das ändert aber nichts am positiven Gesamteindruck. Wer sich für das Werk und das Leben des Schriftstellers oder einfach nur für das sogenannten Jazz Age interessiert, bekommt hier einen tollen Einblick.

F. Scott Fitzgerald: Früher Erfolg. Über Geld und Liebe, Jugend und Karriere, Schreiben und Trinken. Übersetzt von Melanie Walz, Bettina Abarbanell und Renathe Orth-Guttmann. Diogenes, 384 Seiten, 22,90.

1. Mai 2013
von irrewirre
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Die Gewinner sind…

Ich habe heute Nachmittag die Lose geschrieben und dann noch mal 2 Stunden ziehen lassen, während ich bei der Open Air Lesung von „Romeo & Julia“ am KAP in Bochum war. Und eben habe ich sie gezogen, die beiden Gewinnerlose.

Gewinnerlose

Gewinnerlose

Gewonnen haben:

Chimiko („Mit Haut und Haaren“)

und

majule („Mitgenommen“).

Herzlichen Glückwunsch!

Beide bekommen gleich von mir eine Mail, denn ich brauche ja noch eure Adressen. Ich wünsche euch jetzt schon mal viel Spaß beim Lesen.

Danke für alle Kommentare. Schön, dass wir uns bei einigen Büchern so einig sind. 🙂 Außerdem hat es mich gefreut, dass ich auf einen für die meisten noch unbekannten Autoren neugierig machen konnte.

Ich selber habe es übrigens total verpasst, bei irgendeinem Blog mein Losglück zu versuchen. Aber ehrlich gesagt sind meine Regale noch gut gefüllt und gleich muss ich erst mal mein „Fräulein Else“ für die Uni zu Ende lesen.

23. April 2013
von irrewirre
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Welttag des Buches: Ich verlose 2 Bücher von Arnon Grünberg

Wie ich bereits angekündigt habe, starte ich heute eine Buchverlosung, denn es ist der Tag des Buches. Ich habe mich für 2 Romane von Arnon Grünberg entschieden. Natürlich finde ich den Autoren selber gut und bin froh, dass ich in einem Kurs für niederländische Literatur auf ihn aufmerksam geworden bin. Seitdem erzähle ich immer mal wieder von ihm und treffe immer wieder auf Kulturbanausen Freunde und Bekannte, die noch nie etwas von „Arnon – wer?“ gehört haben. Dabei erscheinen seine Bücher in der deutschen Übersetzung bei Diogenes, die ich nicht unbedingt als Nischenverlag bezeichnen würde… Natürlich empfehle ich jedem besonders das Original, aber da ich ja nicht von jedem verlangen kann, die Sprache unseres Nachbarlandes zu lernen, verlose ich 2 deutsche Bücher. Es sind seine zwei aktuellsten Romane „Mitgenommen“ und „Mit Haut und Haaren“, jeweils als Hardcover und natürlich mit Schutzumschlag. Wer eines der Bücher haben möchte, muss nur einen Kommentar schreiben und zwar mit der Antwort auf folgende Frage:

Welches Buch fandet ihr so langweilig, dass ihr es nicht zu Ende gelesen habt? (Pflichtlektüren aus der Schul- und Unizeit ausgenommen!)

Bitte schreibt auch dazu, welches Buch ihr lieber hättet oder ob euch beide recht wären. Ihr habt bis zum 30. April um 00:00 Uhr Zeit, also am 29. nicht ins Bett gehen, ohne vorher kommentiert zu haben! Am 30. ziehe ich dann die beiden Gewinner.

23. April 2013
von irrewirre
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Arnon Grünberg hat mich wirklich „Mitgenommen“

In „Mitgenommen“ erzählt Arnon Grünberg eigentlich mehrere Geschichten, die aber eng miteinander verknüpft sind. Sie spielen in Südamerika, wobei es ziemlich egal ist, in welchem Land genau. Es beginnt in einer Provinzstadt. Das Militär ist mächtig und kämpft gegen Revolutionäre. Major Anthony hat die Aufgabe genau diese zu verhaften. Als bei einem Einsatz ein Ehepaar erschossen wird, nimmt der zeugungsunfähige Soldat deren Tochter einfach mit nach Hause. Das alleine birgt schon genug Konfliktpotenzial. Dann aber bricht der Major zu einer Mission auf, die man nur als Selbstmordkommando bezeichnen kann.

Er lässt seine Frau, die mit sich selbst genug zu tun hat, mit Lina zurück. Diese glaubt nicht, dass ihre Eltern tot sind und macht sie sich auf die Suche nach ihnen. Sie schließt sich kurzfristig einer Gruppe Straßenkinder an und gelangt dann in ein Bergdorf, wo sie einige Jahre als Minenarbeiterin und Kindermädchen arbeitet. Durch die erfolgreiche Teilnahme an einem Schönheitswettbewerb erhält sie die Chance, den sogenannten Dirigenten, einen Rebellenführer, kennenzulernen und schießen zu üben. Sie erweist sich als Talent und wird wieder mitgenommen, lebt dann als eine der Frauen des Dirigenten. Dass das alles wieder nicht gut gehen kann ist klar, aber mehr will ich noch nicht verraten.

Die Handlung ist nicht leicht verdaulich ist und die Protagonisten sind alles andere als liebenswert. Aber irgendwie kann man sie doch nicht hassen sondern eher bemitleiden. Grünberg beschreibt das alles ganz klar und sachlich und das macht auch einen Teil der Faszination aus. Ich wollte immer weiterlesen eben weil das alles so schrecklich ist und weil ich vielleicht auch nie ganz die Hoffnung verloren habe, dass die Protagonisten ein gutes Ende finden. Obwohl die Figuren ihre Menschlichkeit verlieren oder auch schon verloren haben, sind sie so interessant. Der Major lebt streng nach den Grundsätzen des Militärs und für ihn ist es selbstverständlich, dass man auf Kommando töten und lieben kann. Mit Gefühlen hat das für ihn nichts zu tun. Und Lina stumpft ab, bei dem was sie zu erleiden hat. Nachdem sie dann erfährt, dass sie offiziell als tot gilt, fühlt sie sich auch so.

Arnon Grünberg war als Journalist im Irak und in Afghanistan und hat außerdem mit Guerillas, Bergarbeitern und Soldaten aus Südamerika gesprochen. Er weiß also, wovon er schreibt und verharmlost nichts. Das Lesen ist also nicht einfach, aber das Buch ist auch schwer wieder zu vergessen.

Arnon Grünberg: Mitgenommen. Diogenes Verlag, 742 Seiten, 22,90 €.

 

23. April 2013
von irrewirre
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Bitterböse und zum Lachen: „Mit Haut und Haaren“ von Arnon Grünberg

„Literatur-, Theater-, Kommunikationswissenschaft, das sind doch mehr bizarre Freizeitbeschäftigungen. So was wie Wildcampen. Und wenn man es lange genug macht, darf man sich Universitätsdozent nennen.“

Das denkt zumindest der Wirtschaftswissenschaftler Roland Oberstein, Protagonist in Arnon Grünbergs  Roman „Mit Haut und Haaren“. Aber das war für mich (mit meinem Abschluss in Theater- und Literaturwissenschaftlerin) kein Grund, das Buch wegzulegen. Denn auch die Wirtschaftswissenschaflter kommen nicht besser weg. Eigentlich kommt in diesem Buch niemand gut weg. Niemand ist glücklich und alle stecken in verkorksten Beziehungen fest.

Im Mittelpunkt dieser ganzen Verflechtungen steht der besagte Universitätsdozent Roland Oberstein und der wendet seine Wirtschaftstheorien auch auf seine zahlreichen Beziehungen an. Er versucht seine sozialen Kontakte auf ein Mindestmaß zu reduzieren und sich ganz seiner Forschung zu widmen. Das funktioniert natürlich alles nicht so wie geplant und er kann sich weder von seiner Vergangenheit noch von seinen Gefühlen trennen. Also keineswegs ein Traummann und trotzdem zieht er ziemlich viele Frauen an. Und da er nicht auffallen und das tun möchte, was die Leute von ihm erwarten, lässt er sich immer wieder auf neue Affären ein. 

Eine große Rolle spielt aber auch der Holocaust. Diesen bezeichnet Oberstein als sein Hobby, er interessiert sich aus wirtschaftwissenschaftlicher Sicht dafür. Das hat also mit Arbeit zu tun und er behauptet, dass er nur bei der Arbeit entspannen könne. Tatsächlich merkt man auch, dass soziale Beziehungen für ihn sehr anstrengend sind. Die von den Frauen erwartete Leidenschaft besitzt er durchaus. Allerdings nur für seine Arbeit über die Geschichte der Spekulationsblasen.

Trotzdem wurde er für mich nicht zum Hassobjekt, weil Arnon Grünberg immer wieder durchscheinen lässt, warum Oberstein so geworden ist. Natürlich ist er kein Unschuldslamm aber man leidet doch mit ihm gemeinsam, wenn man liest, wie er sich total verrennt. Mich hat die Geschichte total in ihren Sog gezogen und durch ihre Überzogenheit hat man als Leser auch immer wieder etwas zum Lachen, mindestens zum Schmunzeln. Das Buch ist nicht ganz ohne, denn wie man das von Grünberg kennt, gibt es einige unerwartete Wendungen. Für ganz zartbesaitete und romantische Menschen ist das Buch wohl weniger geeignet, denn nicht jeder ist an den beschriebenen Sexszenen freiwillig beteiligt. Nach 700 Seiten ist der Spaß dann aber fast abrupt vorbei. Aber habe ja Obersteins Regel der Risikodiversifikation befolgt und nicht alles auf eine Karte gesetzt. In diesem Sinne bin ich froh, dass ich mich direkt auf die nächsten Bücher stürzen konnte.

Arnon Grünberg: Mit Haut und Haaren. Diogenes Verlag, 688 Seiten, 22,90 €.