(c) Deutscher Hörbuchpreis

Vorfreude auf den Deutschen Hörbuchpreis

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Heute Abend wird in Köln der Deutsche Hörbuchpreis 2016 verliehen und ich darf dabei sein. Anders als bei meinen bisherigen Tweetups ist hier festliche Garderobe vorgeschrieben, aber schließlich ist es auch eine Gala und so eine Preisverleihung darf man ja mal entsprechend begehen. Soweit ich mich erinnere, bin ich über Stefanie Leo auf die Aktion aufmerksam geworden. Bei ihr könnt ihr genauer nachlesen, was es mit einem bookUP auf sich hat.

Mit einer kurzen Mail unter Angabe der Social Media Kanäle als Bewerbung ging es am 20. Januar los, keine drei Stunden später hatte ich die Zusage. Eine Woche später standen die meisten Preisträger fest (der Sonderpreis wurde bereits vorher bekannt gegeben, das Urteil der Kinderjury wurde eine Woche später bekannt gegeben), wir wurden mit der Pressemitteilung versorgt und das Vernetzen der Teilnehmer ging auf allen Kanälen unter #dhp2016 los. So konnte ich die Namen auf der Teilnehmerliste, die ich Ende Februar bekam, schon teilweise zuordnen. Tatsächlich finden sich darauf mit Stefanie Leo und Wibke Ladwig zwei Damen, die ich bisher nur virtuell kenne und zwei weitere Bekannte aus dem „echten“ Leben, wobei ich Verena aus dem Studium kenne und Tobias mal auf einem Tweetup getroffen habe. Wir drei machen uns heute Nachmittag gemeinsam auf den Weg nach Köln und haben dann schon mal Zeit, uns über die Preisträger auszutauschen. Und dann geht es los, im Großen Sendesaal des Westdeutschen Rundfunks und die Macht (=das WLAN) ist mit uns.

Der Deutsche Hörbuchpreis

Der Deutsche Hörbuchpreis wird vom gleichnamigen Verein gestiftet. Der WDR und die WDR mediagroup haben den Preis 2003 zum ersten Mal verliehen und eröffnet auch heute noch damit die lit.COLOGNE. Alle drei sind institutionelle Mitglieder im Verein, so wie auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der Hessische und der Norddeutsche Rundfunk und das Studio Hamburg. Gemeinsam, so kann man es auf der Webseite nachlesen, haben sie sich vorgenommen, „einerseits die Vielfalt des aktuellen Hörbuchmarktes abzubilden, andererseits durch die Auszeichnung von Produktionen einen Qualitätsstandard zu sichern.“

Die Preisträger

Beste Interpretin

Sophie Rois wird als beste Interpretin für ihre Lesung von Alina Bronskys „Baba Dunjas letzte Liebe“ ausgezeichnet. Es geht um eine Großmutter, die in ihr Dorf bei Tschernobyl zurückzieht, um dort mit ihren Nachbarn bis zu ihrem Tod in Ruhe zu leben. Unerwartete Fremde und eine Leiche machen ihr allerdings einen Strich durch die Rechnung.
Ich war ja skeptisch, bevor ich reingehört habe. Die Schauspielerin ist bekannt als Hörbuchsprecherin und ich mag ihr Spiel sehr. Aber kann sie mit ihren Mitte 50 (und selbst das kann ich kaum glauben, wenn ich sie sehe) die Großmutter überzeugend darstellen? Ja, das klappt tatsächlich. Die Preisträgerjury schreibt „Sophie Rois liest nicht vor, sie ist Baba Dunja. Mit ihrer apart brüchigen Stimme und ihrer intensiven Gestaltungskunst fesselt sie den Hörer von der ersten bis zur letzten Minute.“ Dem kann ich so zustimmen. Baba Dunja wurde für mich beim Zuhören für eine greifbare Figur, deren Geschichte mich, zumindest in der gekürzten Version, aber einfach nicht ausreichend interessiert hat.

Bester Interpret

Mit Lars Eidinger geht auch der Preis für den besten Interpreten letzten Endes in meine Stadt Bochum. Auch „Der Planet Trillaphon im Verhältnis zur Üblen Sache“ ist eine Produktion von tacheles! / ROOF Music. Das Hörbuch liegt hier bereits, aber da es hier um die Geschichte eines Depressiven geht, muss ich mir das noch mal für den passenden Zeitpunkt aufbewahren. Schließlich wusste der Autor David Foster Wallace aus eigener Erfahrung, wovon er schreibt. Lars Eidinger darf ich aber Vorschlusslorbeeren verleihen. Ich habe ihn bisher nie live erlebt, zuletzt habe ich mich über seinen Auftritt beim „Fernsehtheater“ im Neo Magazin Royale sehr amüsiert.

Bestes Hörspiel

Das beste Hörspiel ist dieses Mal „Wir“. Es basiert auf einem Roman von Jewgenij Samjatin und der Übersetzung von Gisela Drohla. Es sind rund anderthalb Stunden, die sich wirklich für mich gelohnt haben. Die Science-Fiction-Dystopie hat mich sehr gut unterhalten und ist auch rund 100 Jahre nach der Veröffentlichung noch aktuell. Die Menschen (?) haben keine Namen mehr, nur Buchstaben und Zahlenkombinationen. Sie leben im „einzigen Staat“ mit vorgeschriebenen „Geschlechtstagen“ und auch sonst einer starken Reglementierung. Dagegen hilft nur eine Revolution… Es hat etwas von 1984 und doch einen ganz eigenen Stil, der von den Sprechern und der Musik hervorragend atmosphärisch umgesetzt wurde. Tatsächlich habe ich jetzt große Lust, das Buch zu lesen. Oder ich frage einfach mal im Schauspielhaus (ja, Bochum schon wieder), ob Jana Schulz ihre Rolle nicht erweitern und das Buch komplett einlesen möchte. 😉 Der Preis an Christoph Kalkowski und (für die Musik) Dr. Raphael D. Thöne geht für mich also mehr als in Ordnung. WDR 3 sendet es in zwei Teilen am 9. und 10. März, jeweils ab 19.05 Uhr.

Bestes Sachhörbuch

Wahrscheinlich eher schwere Kost ist das bestes Sachhörbuch „Deutschland. Erinnerungen einer Nation“. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Burghart Klaußner auch die Sicht eines Briten auf die deutsche Geschichte unterhaltsam präsentieren kann, das Hörbuch „Zärtlich ist die Nacht“ hat er schließlich auch ganz wunderbar gelesen. Er ist ja übrigens auch ein gern gesehener Gast im Ensemble, hier in Bochum, und teilt sich den Preis mit dem Regisseur Burkhard Schmid.

Beste Unterhaltung

Für die Lesung von Mario Giordanos „Tante Poldi und die sizilianischen Löwen“ bekommt Philipp Moog den Preis für die beste Unterhaltung. Sein Gesicht sieht man bereits auf vielen Hörbuchcovern und als Zuschauer kennt man ihn als deutsche Stimme von Neil Patrick Harris und Ewan McGregor. Ich kann mir gut vorstellen, dass er die Mischung aus Krimi und Komödie gut liest, habe aber noch nicht reingehört.

Beste verlegerische Unterhaltung

Bei der besten verlegerischen Leistung weiß ich noch nicht mal, ob ich mir das mal ‚antue‘. „Die Quellen sprechen. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945“ verheißt schließlich alles andere als gemütliche Nachmittage auf dem Sofa. Ganze 14 CD umfasst das Werk, für das der Hörverlag und Katarina Agathos und Herbert Kapfer aus der Redaktion Hörspiel und Medienkunst im Bayerischen Rundfunk den Preis entgegennehmen. Auf der zugehörigen Webseite könnt ihr euch vorab informieren. Das Projekt wird noch weitergeführt, wird aber von der Preisträgerjury bereits als „Mahnmal“ bezeichnet. Und zu mahnen gibt es ja aktuell in diesem Zusammenhang leider viel.

Bestes Kinderhörspiel

Mit „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende wird ein alter Bekannter von mindestens gefühlt allen in meinem Altern und noch mehr Leuten ausgezeichnet. Das beste Kinderhörbuch ist eine richtig große Produktion von Regisseurin Petra Feldhoff und Ulla Illerhaus, die aus dem Roman die Hörspielbearbeitung erstellt hat. Darf ich an dieser Stelle anmerken, dass ich ein Fan gut gemachter Kinderhörspiele bin und in nur zwei Monaten Geburtstag habe?

Sonderpreis

Im gleichen Jahr wie Endes Roman erschien eine Hörspielreihe namens „Die drei ???“ zum ersten Mal. Und noch heute sprechen Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich die kalifornischen Teenager auf Verbrecherjagd. Die Fangemeinde wächst noch immer und wenn einer der drei Sprecher oder alle zusammen irgendwo auftreten, ist ein schneller Kartenkauf zu empfehlen. Ich selber hatte schon mehrfach die Gelegenheit sie live zu erleben, unter anderem bei ihrer letzten Tour und ich hoffe, dass meine Lieblingsdetektive noch lange nicht in Rente gehen. Also keine Sommerferien mehr haben….

Weitere Preise

Eines dieser Hörspiele oder -bücher wird heute mit dem Publikumspreis HörKules ausgezeichnet. Der Gewinner „Hörbuch des Jahres 2015“ der hr2-Hörbuchbestenliste ist „Thomas Kling – Die gebrannte Performance“.

Und dann?

Wenn die Preise alle verliehen sind und wir bookUP-Teilnehmer die Internetleitung zum Glühen gebracht haben werden, geht es weiter beim Aftershow-Empfang. Der wird dann im Gegensatz zu der Gala nicht im Radio übertragen, vorher könnt ihr auf WDR 5, hr2-kultur, NDR Kultur, SR, SWR2 und Bayern 2 Nord (DAB+) zuhören. Das WDR Fernsehen zeigt den Mitschnitt am 10. März 2016 ab 23.25 Uhr. Vorher gibt es bei mir natürlich den Nachbericht.

Der deutsche Hörbuchpreis hat eine Webseite, ist auf Facebook und Twitter aktiv und der Hashtag des Abends lautet #dhp2016.

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