Her mit dem Lampenfieber!

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Die LVQ hat zur Blogparade gerufen und hier kommen meine Erfahrungen und Tipps zum Thema Lampenfieber. Sicherlich habe ich da einige, aber ich muss auch zugeben, dass ich Lampenfieber in einem gewissen Rahmen genieße. Nun gehöre ich nicht zu den Leuten, die schon mal einen kompletten Blackout hatten oder die sich vor Prüfungen mit größeren Magenbeschwerden herumschlagen müssen. Ich bin nicht gerade auf den Mund gefallen (was sich mit Lampenfieber meist nicht gerade bessert…) und liebe es, wenn ich zum Improvisieren herausgefordert werde. Ich suche also ein Stück weit das Lampenfieber aber es gibt viele Möglichkeiten, es nicht zum GAU werden zu lassen.

Vorbereitung – Gib dir die Chance zum Gelingen!

Ich habe schon als Kind vor größeren Menschenmengen gesprochen oder etwas vorgeführt, sei es mit der Tanzgruppe, in der Kirche oder im Theater. Dabei ist nicht immer alles glatt gelaufen, aber das lag dann meistens an mangelnder Vorbereitung. Das ist natürlich unbedingt zu vermeiden, wenn man das Lampenfieber nur halbwegs in den Griff bekommen möchte.
Fachlich setze ich das sowieso voraus, ich kann nicht über ein Thema reden, von dem ich keine Ahnung habe und wenn ich im Vorstellungsgespräch nicht sagen kann, was mich an der Position und der Firma interessiert, stehen meine Chancen auch denkbar schlecht.
Vorträge kann man wunderbar zu Hause üben, vor dem Spiegel und Freunden. Sätze tatsächlich auszusprechen hilft viel mehr, als sie einfach nur leise zu lesen und sich vorzustellen, wie man sie sagen möchte. Manche Texte können noch so toll sein, aber ich weiß aus meiner Erfahrung beim Radio zum Beispiel, dass ich bei der Abkürzung ‚EU‘ immer die Tendenz zum Lallen habe. ‚Europäische Union‘ hingegen geht mir problemlos über die Lippen. So lassen sich im Vorfeld Stolperfallen aus dem Weg räumen und ich kann mich beim Nachrichten lesen auch mal mit der Frage beschäftigen, wie Barack Obama mit Vornamen heißt…
Wer nicht gerade Nachrichten liest, sollte auf vorgefertigte Texte verzichten und nur Stichworte notieren. Die passen dann auch auf Moderationskarten. Wer mit einem A4-Blatt vor einer Gruppe steht, wird außerdem schnell merken: Das ist eine tolle Möglichkeit, die zitternden Hände vor dem Publikum bloßzustellen. Besser also kleine und dicke Zettel nehmen, die vertragen schwitznasse Hände auch besser.

Kann mal jemand den Haustechniker rufen?

Aber nur mit Papier braucht man ja heute nicht mehr vor Leute treten. Der Beamer will gefüttert und die Leinwand gefüllt werden. Alle rufen nach Power Point und ich frage: Muss das immer sein? Husch-husch-Animationen um der Animation willen locken doch keinen hinter dem Ofen vor und sind im Zweifelsfall nur Zeitfresser. Wenn Power Point, dann bitte direkt als Präsentation abspeichern. Wenn sich sonst erstmal der Bearbeitungsmodus öffnet und ich als Zuhörerin sehen kann, dass da 57 Folien kommen, sinkt meine Vorfreude extrem. Ich setze ja gerne auf PDF. Ich kann mich ebenfalls ‚durchklicken‘ und bin da plattformübergreifend auf der ziemlich sicheren Seite. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn ihr startbereit seid, aber die Technik dann nicht läuft und ihr wartet müsst, bis irgendein Zuständiger das richtet. Zeit für Panik!
Wer den eigenen Laptop mitbringt, sollte natürlich seine Einstellungen so weit im Griff haben und vorbereitet sein, dass nicht beim Einschalten erstmal irgendwelche Updates alles lahmlegen. Rot werden die meisten von alleine, das muss nicht verstärkt werden wegen Getuschels über irgendwelche privaten Lesezeichen auf eurem Desktop oder euer nicht jugendfreies Desktopbild.

Verlass dich auf deine Routine!

Lampenfiebersituationen sind meistens solche, die nicht alltäglich sind. Daher ist es besonders gut, sich rundherum eine Routine anzueignen. Wenn ich morgens gefordert bin, beende ich idealerweise am frühen Abend die eigentliche Vorarbeit und lasse es mir dann gut gehen, beschäftige mich mit ganz anderen Dingen. Dann bleibt vor dem (rechtzeitigen) ins Bett gehen noch die Vorbereitung des Frühstücks, das Packen der Tasche und die Auswahl der richtigen Kleidung. Sie sollte dem Anlass entsprechen, aber eben auch bequem sein. Wenn ich mich in meiner Kleidung nicht wohlfühle, werde ich mich erst recht nicht wohlfühlen, wenn ich mich damit anderen Menschen präsentiere. Vielleicht sieht der Wollpullover total chic aus, aber wenn er auch nur ein bisschen kratzt, bleibt er zu Hause. Vor allem, wenn ich eh schon zu roten Flecken neige.

Schöner warten

Vor Vorstellungsgesprächen und Prüfungen lassen sich Wartezeiten oft nicht vermeiden und es ist immer eine tolle Gelegenheit, sich verrückt zu machen. Vor allem, da bei so wichtigen Terminen natürlich ein zeitlicher Puffer eingeplant werden muss. Ich greife in solchen Situationen gerne zu einem Buch, das mich ablenkt, in andere Welten führt und die eventuell um mich herum beginnenden Panikattacken ein bisschen zu ignorieren. In der Schulzeit wusste ich irgendwann, welche Mitschüler dazu neigen, kurz vor Klausurbeginn genau die Fragen zu stellen, die mich völlig verunsichert haben. Wenn ich die gemieden habe, lief es immer besser. Umgebt euch lieber mit Leuten, die euch beruhigen können. Das sind auch diejenigen, die ich als Partner für Präsentationen empfehle. Denn nicht immer muss man ja alleine vorne stehen. Ideal ist es natürlich, wenn man einen ‚alten Hasen‘ dabei hat.
Wartezeit ist aber auch wertvolle Zeit. Im Jugendclub vom Theater waren Stimme und Sprechen natürlich wichtig, beim Radio habe ich noch mehr dazu gelernt (zum Beispiel bei Susanne Haeberleinund Claudia Röhnelt). Es hilft wirklich, die Stimme und den Rest des Körpers aufzuwärmen. Und ja, das sieht komisch aus und hört sich auch so an. Also sucht euch dafür einen ‚sicheren‘ Ort. Wer mit dem Auto anreist, kann sich da besser auslassen als Bahnfahrende…

„Sie sind jetzt dran!“

Irgendwann kommt dann der Moment, es geht los. Im Idealfall sitzen bei eurem Auftritt natürlich bekannte Gesichter. Aber auch bis dato Unbekannte haben meist nichts dagegen, mit einem Lächeln begrüßt zu werden. Und: Wer mit leicht geöffnetem Mund ans Mikrofon tritt, wird nicht mit einem lauten Schmatzgeräusch beginnen. Ihr habt ja vorher noch einen Schluck von eurem stillen Wasser genommen, dass ihr auch griffbereit stehen habt, oder? Dann nehmt ihr die Moderationskarten, und zwar nur die, in die Hand und legt los. Viele Menschen brauchen ja beim Reden etwas, dass sie in der Hand halten können, aber bitte keinen Kugelschreiber (klick, klick klick) und schon gar nicht den Schlüsselbund in der Hosentasche.

Die anderen sind auch nur Menschen

Im Vorstellungsgespräch saß ich bisher ein bis zwölf Menschen alleine gegenüber. Je mehr da sitzen, desto größer ist natürlich der Stressfaktor. Und das haben die mir sicherlich auch angesehen. Muss ich mich dafür schämen? Nein. Anspannung und Nervosität sind doch auch Zeichen dafür, dass mir das Gespräch wichtig ist. Wenn ich gefragt werde, ob ich nervös bin, beantworte ich das natürlich mit ja. Mir sitzen Menschen gegenüber und ja, die schätzen manchmal auch Menschlichkeit. Die erinnern sich im Zweifelsfall an ähnliche Situationen und können mein Lampenfieber nachvollziehen. Nobody’s perfect und übertriebene Coolness kann auch als Desinteresse ausgelegt werden.

Alles halb so schlimm?

Ich bringe für Präsentationen und Moderationen ganz passende Eigenschaften mit, habe theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen. Habe ich deswegen kein Lampenfieber? Nein, und das ist auch gut so. Ich kann diesen Kick tatsächlich genießen, manchmal hilft er mir, Dinge noch mal ganz anders zu betrachten. Wenn ich dann ausreichen vorbereitet bin, kann ich noch spontan darauf reagieren. Und ganz entspannt meinen völlig verkrampften Interviewpartner beruhigen. Nachher bin aber auch froh, wenn ich solche Aufgaben hinter mir habe. Das ist dann ja auch die beste Zeit für eine Belohnung. Und dafür hat sich der Stress doch gelohnt, oder?

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