Sunset Boulevard oder: Norma, gib mir eine zweite Chance

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Am 6. Oktober war es wieder so weit, das Theater Dortmund lud anlässlich der Hauptprobe von Sunset Boulevard zum Twittern ins Opernhaus ein. Mittlerweile ist die Premiere gelaufen und ich verrate nun in mehr als 140 Zeichen, wie ich die Inszenierung und den Abend allgemein fand.

Claudia Bender, im Haus verantwortlich für Onlinekommunikation, begrüßte uns am Bühneneingang und nach dem Verteilen der obligatorischen Namensschilder ging es auch schon auf die Seitenbühne. Hier war es schon ordentlich wuselig, der Soundcheck lief, Darsteller, Techniker, Requisiteure und Techniker gingen ihrer Arbeit nach und wir waren mittendrin. Gut, für mich war das nichts Neues, aber ich finde es immer wieder schön.

Einführung im exklusiven Kreis

Richtig interessant wurde es dann im Foyer, wo uns Dramaturgin Wiebke Hetmanek und Darstellerin Wietske van Tongeren vom Stück und den Proben erzählten. Das Treffen brachte die Smartphones zum Glühen und #tdosunset machte sich auf, die Timelines zu erobern. Ich war völlig unvorbereitet, dementsprechend hat mich dieser Tweet überrascht…

…aber ich wusste ja auch schon, dass wir eine exklusive Einführung bekommen. Und ich war nicht die Einzige im Tal der Ahnungslosen. 😉

Wie bereits bei „Next to normal“, hat sich das Haus für die Produktion Verstärkung geholt. Neben Opernsängern stehen wieder eigens engagierte Musicaldarsteller wie Wietske auf der Bühne, komplettiert wird das Ensemble von Studierenden der Folkwang Universität der Künste.
Mir war schon klar, dass es den Sunset Boulevard wirklich gibt, von dem gleichnamigen Film hatte ich aber keine Ahnung und auch so einige Fakten rund um Hollywood waren mir neu. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Hollywood ein perfekter Standort war, weil man dort den Schlägertrupps der Patentanwälte aus New York mit einem „Ausflug“ nach Mexiko entkommen konnte?

Kein Logenplatz ist auch ein Logenplatz

Die Probe selber sahen wir dann aus der letzten Reihe im Parkett und nicht wie sonst aus der ersten Reihe in der Loge. Ich wusste noch gar nicht, wie gut man dort unten so weit hinten sitzt. Die Sitzreihen steigen steil an und die Sicht ist auch für weniger große Menschen gewährleistet. Für die Probe war natürlich interessant, dass wir ein paar Reihen hinter den Technikern und dem Leitungsteam saßen. Wir bekamen also hautnah mit, wenn etwas nicht rund lief – auch wenn wir dachten, dass auf der Bühne alles funktioniert.
In der Pause wurden wir von der Theatergastronomie gestärkt…

…und konnten die Diskussionen offline weiterführen. Das galt auch für den Rest des Abends, denn für den zweiten Teil galt wie üblich ein „Twitterverbot“. Aber jetzt und hier darf ich euch mehr verraten.

Zum Inhalt des Musicals

Norma Desmond war ein Star der bereits einige Jahre zurückliegenden Stummfilmära. Nun lebt sie zurückgezogen in ihrer Villa am Sunset Boulevard und träumt fernab jeglicher Realität von einem Comeback. Als der junge Drehbuchautor Joe zufällig dort auftaucht, wittert sie ihre Chance. Er soll ihre Salome-Adaption bearbeiten! Joe ist zunächst begeistert, suchte er doch händeringend nach einem Job und bekommt ein Leben im Luxus gleich mitserviert. Nach und nach entdeckt er aber die Schattenseiten dieses Engagements und verfängt sich immer tiefer in Normas Illusion, zu der auch er beiträgt. Aber dann ist es bereits zu spät…

Sunset Boulevard, lass uns Freunde bleiben

Das klingt vielversprechend, oder? Fand ich auch. Leider konnte mich die Umsetzung nicht vollständig überzeugen. Mir hat der ganze Abend gut gefallen. Gut, aber eben auch nicht mehr.

Was wirklich Spaß machte ist die Tatsache, dass im Orchestergraben nicht die mittlerweile übliche Band in kleiner Besetzung saß. Stattdessen spielen die Dortmunder Philharmoniker die „Symphonic Version“ von Sunset Boulevard und das ist wirklich mal etwas anderes als irgendein Synthesizer.
Auch sonst kann ich schwer beschreiben, warum der Funke für mich nicht übergesprungen ist. Ich war unterhalten, es war ein kurzweiliger Abend. Die Darsteller überzeugten mich stimmlich und darstellerisch. Nach wie vor finde ich aber Pia Douwes zu jung für die Rolle (Das soll jetzt ein Kompliment sein!) und sie hat mir in „Next to normal“ einfach besser gefallen.
Ich mag das multifunktionale Bühnenbild und die offenen Umbauten sehr

und den Großteil der Kostüme hätte ich selber gerne zu Hause.

An der Arbeit von Kostüm- und Bühnenbildnerin Heike Meixner lag es also nicht.

Negativ aufgefallen ist mir hingegen das Auftreten des Butlers Max, bei dem die Kombination aus Make Up und Beleuchtung nur eine Assoziation nahelegte. Aber das Musical mit den Vampiren ist doch ein anderes (und es hatte ausgerechnet an diesem Abend Premiere am Deutschen Theater in München).

Ich finde es auch nicht schlimm, dass die Produktion „nur“ eine Neuinszenierung der Version aus Bad Hersfeld aus dem Jahr 2011 ist. Aber die Inszenierung hat mich einfach nicht mitgerissen. Die Höhen und Tiefen der Figuren haben mich nicht berührt, nur Lachen konnte ich einige Male. Um es anders zu sagen: Mit Stephen Terrill aus „Die drei ??? und das Geisterschloss“ hatte ich streckenweise mehr Mitleid als mit den Charakteren aus Sunset Boulevard. Dennoch war alles solide Arbeit und diese Tatsache lässt mich etwas ratlos zurück. Entweder ist dieses Webber-Musical einfach nichts für mich (und für meine Phantom der Oper-Darstellungen bin ich berüchtigt) oder ich muss einfach ein zweites Mal in das Stück gehen. Vielleicht klappt es dann auch mit dem Ohrwurm.

Die nächsten Termine findet ihr hier.

Vielen Dank an das Theater Dortmund für den Abend und das Pressebild (Fotograf Thomas M. Jauk/StagePicture).

P.S.: Wer selber einmal beim Theatertwitter dabei sein möchte, sollte diese Seite im Auge behalten und natürlich dem Theater auf seinen zahlreichen Kanälen folgen.

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