Mittwochs im Museum

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Es ist ja nicht so, dass ich nie in ein Museum gehen würde, aber ich gehe definitiv zu selten hin. Eigentlich sollte mich auch nicht der oft eh nur kleine Eintrittspreis daran hindern. Als dann in Bochum eingeführt wurde, dass der Eintritt im Kunstmuseum jeweils am ersten Mittwoch des Monats frei ist, war klar: Es wird Zeit für einen Besuch!

Letzte Woche war es dann soweit, der Termin stand an und bei den Temperaturen war ich dankbar für eine Abkühlung in klimatisierten Räumen. Ich muss zugeben, bevor ich in das Museum hineinging, habe ich schnell noch mal im Internet überprüft, ob ich auch am richtigen Tag da bin und einfach hineingehen kann.

Die Frau an der Informationstheke grüßte freundlich und ich machte mich direkt auf den Weg in den 2. Stock. Bevor ich mich allerdings tatsächlich den Werken im Museum widmete, genoss ich den Ausblick vom Balkon auf den Stadtpark und Giuseppe Spangnulos „La Grande Ruota“, ein Werk, das ich einfach faszinierend finde.

Giuseppe Spangnulos La Grande Ruota am Museum

Giuseppe Spangnulos La Grande Ruota am Museum

Es ist nur eines der Kunstwerke im Park und der vielen, vielen Werke im öffentlichen Raum in Bochum. Für die Bochum Marketing GmbH habe ich hier eine kleine, bunt gemischte Auswahl zusammengestellt.

Die Ausstellung im 2. Stock:
Tercerunquinto: „Vendedor de flores“

Anlässlich des 25. Geburtstages der Kunststiftung NRW wurden 25 internationale Künstler mit 25 Museen aus NRW zusammengebracht. In ihrer Arbeit sollten sie die Sammlung des jeweiligen Museums in den Fokus stellen. Im Kunstmuseum Bochum, das ja keinen gesonderten Raum für die eigene Sammlung besitzt, arbeitete das Künstlerkollektiv Tercerunquinto. Einem Bochumer Blumenverkäufer mit indischen Wurzeln (oder vielmehr wohl einem seiner Bekannten) wurden zwei Mal in der Woche Werke aus der Sammlung gezeigt und erklärt. (Quelle)

In der Ausstellung sind nicht alle der über 70 damals präsentierten Werke zu sehen und laut Webseite läuft sie auch nicht mehr. Zumindest letzte Woche war sie aber doch noch zu sehen. Das Projekt finde ich interessant und es ist wirklich schade, dass das Kunstmuseum Bochum nur so einen kleinen Teil seiner spannenden und bedeutenden Sammlung zeigen kann. Neben den Bildern und Skulpturen hängen wie üblich Informationen zum Werk und Künstler, außerdem kann man dort nachlesen, wann das Stück dem Rosenverkäufer oder anderen vorgestellt wurde. Wie bei so einer Mischung zu erwarten ist, gefielen mir einige Werke besser als andere, manche kannte ich (z.B. Andy Warhols Porträt von Joseph Beuys) oder kamen mir irgendwie bekannt vor wie ein Werk von Josef Albers. (Für Albers gibt es in Bottrop ein eigenes Museum, der Eintritt zur Dauerausstellung ist frei, zwei Werke von ihm sind an der Ruhr-Universität zu sehen – überhaupt ein Ort voller oft wenig beachteter Kunst und damit meine ich noch nicht mal die kostenlos zugängliche Kunstsammlung mit der Sammlung Moderne und Antike.) Andere waren Neuentdeckungen, dazu gehört das Feuerbild von Otto Piene, von dem auch die Grubenlampe auf der Halde Rheinpreußen in Moers stammt. Auf der Webseite des Museums ist eine kleine ‚Vorschau‘ möglich, hier findet ihr „373/69“ von Rupprecht Geiger, „Laternen auf Blau“ von Willi Baumeiste und die Angst-Studie von Oto Gutfreund. Leider sind die echten Bilder im Museum oft nur schwer anzusehen, weil sich die Beleuchtung im Glas spiegelt. Schade, dass man da oft erst mal nur sich selber sieht…
Mit gemischten Eindrücken ging es also weiter in die erste Etage.

Die Ausstellung im 1. Stock:
Catalina Pabón – Erstarrte Wirklichkeiten / Worlds apart

Die Künstlerin Catalina Pabón wurde 1979 in Bogotá geboren, lebt und arbeitet heute aber in Berlin. Die Ausstellung ist ihre erste große Übersichtsausstellung und entstand in Kooperation mit dem Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern und der Kunsthalle Rostock. Schon der Raum macht einen ganz anderen Eindruck; die Decken sind hoch und das Licht kommt durch Fenster von oben. Der Sonnenschein an meinem Besuchstag war ideal. Die großflächigen Bilder sind nicht hinter Glas versteckt und so kann man sich die Oberflächen gut ansehen und, zumindest in meinem Fall, darüber rätseln, wie und woraus das Werk entstanden ist. Bis auf den Titel der Reihe und das Entstehungsjahr bleibt das Kunstmuseum jede weitere Erklärung schuldig. Für mich als Laie ist das sehr schade und erscheint mir als Versuch der verkaufsfördernden Maßnahme für den Katalog. Ich finde die Bilder total spannend, obwohl oder gerade weil sie nur schwarz, weiß und grau sind. Manche Bilder sehen so aus, als wären sie mit einem Nachtsichtgerät aufgenommen, andere erinnern an Bilder von Rasterelektronenmikroskop („alles detoniert nach innen“). Es gibt auf den 2. Blick und weitere einiges zu entdecken. Gezeigt werden viele Landschaften, fiktiv und real, es könnte manchmal der Mond, der Mars oder eine Steinwüste sein. Es sind aber auch eher intime Szenen wie den Blick in ein Schlafzimmer zu sehen („all in all“), manche Bilder aus der Reihe „merging levels“ machten mir den Eindruck, auf dem Kopf zu hängen. Ich habe keine Ahnung wieso, aber auch das machte den Reiz dieser Bilder aus. Alleine für diese Etage hat sich der Besuch schon gelohnt. Viele von Pabóns Werken sind auf ihrer Webseite zu sehen, aber glaubt mir, dass ‚live‘ Erlebnis ist viel besser! Die Ausstellung ist noch bis zum 8. August 2015 in Bochum zu sehen.

Die Ausstellung im Erdgeschoss:
VISIT 2010 – 2015: die Stipendiaten der RWE Stiftung

Hier werden Werke von zehn Künstlern gezeigt, die im Rahmen des Programms VISIT von der RWE Stiftung gefördert werden und wurden. Das Thema ist selbstverständlich Energie und wird ganz unterschiedlich umgesetzt. Wer sich eine Weile in dem Bereich aufhält wird wahrscheinlich, so wie ich, von der Schlagzeug-Installation „Illuminated Rhythm“ von Peter Miller schnell genug haben – obwohl sie eigentlich ganz interessant ist. Ähnlich unentschieden bin ich aber bei vielen Werken aus diesem Teil. Das mag auch damit zusammenhängen, dass ich kein Fan von RWE bin, manche Werke haben sich mir aber einfach null erschlossen. Im Gedächtnis geblieben ist mir vor allem Sebastian Mölleken. Seine Fotos von Garzweiler sind schön, richtig schön. Dabei zeigen sie eine groß angelegte Naturzerstörung, die eine neue Art von Wüste zurücklässt. Darauf will ich jetzt hier nicht weiter eingehen, Ablenkung folgt auch innerhalb der Ausstellung durch weitere seiner Werke, Porträts von Künstlern mit einer Verbindung zum Ruhrgebiet (Bastian Pastewka, Ralf Richter, Rudi Assauer, Gerburg Jahnke). Etwas versteckt, weil eine halbe Etage tiefer, kann man eine Installation aus der Serie „Mendy“ von Lucas Buschfeld sehen. Hätte ich bloß damals seine eigene Ausstellung in der Kunstkirche Christ-König besucht! Wer viel Zeit mitbringt, kann sich eine Treppe weiter noch einen Film ansehen oder auf der normalen Ebene das Tagebuch von Steven Emmanuel durchlesen, der fast einen Monat lange ohne Strom und andere zivilisatorische Errungenschaften auf Zeche Zollverein gelebt hat. Im wahrsten Sinne des Wortes mehr Spannung verspricht Lucas Buschfelds „Stream“, versteckt hinter einem Vorhang und mit dem Hinweis auf Lebensgefahr bei Berühren (wegen des Stromes) versehen. Kunst im Vorbeigehen entdecken geht hier also nicht immer und das ist auch gut so.
Zum Abschluss der Ausstellung findet am 6. September 2015 auf dem Museumsvorplatz eine„thermopoetische Aktion“ mit Infrarottechnik von Stefan Cagol statt. Das klingt wieder seltsam, könnte aber, wie diese Fläche insgesamt, für einige Überraschungen gut sein.

Mein Fazit

Die Hitze beim Verlassen des Museums hat mich mehr erschlagen als die neuen Eindrücke, aber der Besuch hat sich definitiv gelohnt. Gut, bei freiem Eintritt bin ich kein großes Risiko eingegangen, aber ich hatte wirklich eine gute Zeit. Wie zu erwarten war, hat mir nicht alles gefallen aber ich konnte einige tolle Entdeckungen machen. Den Kalender des Kunstmuseums werde ich jetzt besser im Blick behalten, nicht nur weil im Archiv immer so viele Werke von namhaften (alten) Künstlern lagern, sondern auch weil ich mich auf weitere Neuvorstellungen freue. Jetzt habe ich mir fest vorgenommen, auch endlich die Kunstsammlung und die Situation Kunst zu besuchen. Danach geht es dann ins Folkwang Museum Essen, dessen Dauerausstellung ja jetzt auch kostenlos ist.

Noch mehr Kunst

Jeder Tag ist eintrittsfrei bei der Kunst im öffentlichen Raum. Wer sowieso schon am Museum ist, sollte einen kleinen Spaziergang um das Haus machen.
Neben Giuseppe Spangnulos Werk im Stadtpark, wo noch einige weitere Skulpturen stehen, gibt es ein weiteres von ihm vor dem Eingang des Kunstmuseums, „Ferro spezzato – Barra“. In die Treppe Richtung Bushaltestelle integriert ist Jiri Hilmars „Sculpture du Sol“, direkt an der Bushaltestelle ist „La Bataille“ von Jacques-Charles Delahaye angebracht.

Jacques-Charles Delahayes La Bataille

Auf der Ecke Bergstraße/Schillerstraße steht die „Olympia-Hymne“ von Wolf Vostell. Nicht zu übersehen vor dem Gebäude ist außerdem Ulrich Rückriems „Granit Bleu de Vire, geschnitten“. Auf der Rasenfläche vor der Villa Marckhoff (Goetheplatz) sitzen „Fünf Bildhauer“ von Johannes Brus. Wer die „Skyline“ von François Morellet erleuchtet sehen will, muss nach Einbruch der Dunkelheit zurückkommen.

Einige Angebote des Kunstmuseums

Freier Eintritt

Jeden 1. Mittwoch im Monat bezahlt ihr den Besuch mit einem Lächeln – gegen Spenden ist natürlich nichts einzuwenden. Wer um 17 Uhr da ist, kann spontan an einer Führung teilnehmen. Kinder und Jugendliche bis zu 14 Jahren und Schüler haben immer freien Eintritt.
Der Eintritt zum Haus Kemnade ist übrigens grundsätzlich frei.

Sonntagsführungen

Ohne Anmeldung können Besucher zu 15 Uhr an die Kasse kommen und sich die aktuelle Ausstellung zeigen lassen. Am ersten Sonntag im Monat wird eine längere Führung angeboten, die um 11.30 Uhr startet. Beide Angebote sind im Eintritt enthalten.

Kunst in der Mittagspause: Terminal von Richard Serra

„Ist das Kunst oder kann das weg?“ ist wohl einer der meist gesagten Sätze in Bochum, wenn es um Richard Serras „Terminal“ geht. Wer das Werk einmal näher kennenlernen möchte, kann das regelmäßig unter fachkundiger Leitung tun. Treffpunkt ist jeweils um 13 Uhr auf der Verkehrsinsel, der nächste Termin ist bereits am 14. Juli 2015.

Kunst mit Hund

Mit Anmeldung und Hund geht es regelmäßig unter Leitung der Kunsthistorikerin und Hundetrainerin Dr. Claudia Posca rund um das Museum. Neben dem Gassi gehen am Kunstmuseum wird auch ein Spaziergang in Weitmar an der Situation Kunst angeboten.

Weitere Informationen zum Kunstmuseum Bochum gibt es auf seiner Webseite. Für weitere Entdeckungen empfehle ich die Seiten der RuhrKunstMuseen und der Museen NRW.

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