Lieblingsstücke im Konzerthaus Dortmund

| Keine Kommentare

Wenn ein großer Teil der Besucher im Konzerthaus Dortmund kleiner ist als ich, dann steht wohl ein Familienkonzert auf dem Programm. Gestern fand das erste der Saison statt, wie üblich um 10.15 Uhr und um 12 Uhr. Mittlerweile hat es sich so ergeben, dass ein Besuch im Konzerthaus wie eine Art Familientreffen ist – und die Familie wächst stetig, dank Twitter. So war es auch gestern. Nach einer herzlichen Begrüßung durch die ‚alten‘ Bekannten, wurden uns direkt neue vorgestellt. Es war also ein Familienkonzert im doppelten Sinne.

Moderator Jörg Lengersdorf begrüßte das Publikum mit dem „famko song“. Beim Refrain durften alle mitsingen und nach und nach stimmten immer mehr Kinder und auch Erwachsene ein. Dann ging es los mit der Violine von Barock bis Pop, wofür Caroline Adomeit als Solistin dabei war.

Als erstes wurde „Der Frühling“, 1. Allegro, aus „Die vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi gespielt. Klar, es ist schon Herbst, aber dieses Stück ist neben dem 3. Satz des Sommers einfach das bekannteste. Und es geht einfach gut ins Ohr, es ist eingängig und gerade das ist doch zum ‚Anfixen‘ dieses Publikums erstmal wichtig. Für mich ist es ein wenig ausgelutscht aber das Spannende passierte ja auch rund um mich herum. Der Junge neben mir zum Beispiel hat es sich direkt zu Beginn des Konzertes auf seinem Sitz gemütlich gemacht. Ohne seine Schuhe saß er da und ‚dirigierte‘ fleißig mit und sah die meiste Zeit konzentriert zu.

Ob ich Ludwig van Beethovens Violinkonzert D-Dur op. 61, 3. Rondo: Allegro schon kannte, weiß ich nicht mehr. Aber wenn ich es jetzt höre, denke ich „Ah, ich fahre Fahrrad!“ Was Beethoven mit Fahrrädern zu tun hat? Eigentlich nichts, auch die Kinder wussten, dass die zu seiner Zeit noch nicht erfunden waren. Mit dem Text „Ich fahre Fahrrad, ich fahre Fahrrad…[und irgendwas mit überall schnell hinkommen…]“ wurde aber das Ritornell vorgestellt und aufgefordert, diese Tonfolge im Stück immer wieder zu suchen. Ich hätte anschließend ja gerne gefragt, wie gut das Wiedererkennen geklappt hat, aber das war nicht Teil des Programmes.

Zwischendurch zeigte Caroline, was man alles mit einer Violine machen kann. Vier Töne gleichzeitig spielen, das geht. Zupfen und Streichen lässt sich auch kombinieren. Caroline kann beim Spielen auch noch Tanzen. Das Publikum wurde dann aufgefordert, etwas zu finden, was sie nicht kann. Der Herr hinter mir meinte: „Spiegeleier braten.“ Angehört wurde aber der Vorschlag eines Kindes und ja, fünf Töne gleichzeitig, das geht mit dem „Star unter den Orchesterinstrumenten“ dann doch nicht. Aber man, beziehungsweise Caroline, kann damit auch ziemlich schnell spielen. Das bewies sie mit dem Russischen Tanz aus Peter Tschaikowskys „Schwanensee“.

Ziemlich schnell spielen konnte auch Niccolo Paganini, wohl besser bekannt als Teufelsgeiger. Von ihm wurde eine ganz bekannte Melodie gespielt, aus „Il Carnevale di Venezia“, für das er auf „Oh cara mama mia“ zurückgriff (sagt Wikipedia). Was kann das für ein Stück sein? Ganz einfach, „Mein Hut, der hat drei Ecken“. Dafür ist es eigentlich ganz praktisch, wenn auch das Schlagwerk aus dem Orchester mitspielt. Tja, blöd nur, dass genau diese Musiker für ihren großen Knall am Anfang des Tschaikowsky-Stückes einen extra Applaus und damit das Brot des Künstlers bekamen. Die hatten ja keinen Grund mehr weiterzumachen. Ein toller Einfall des Moderators, um Kinder auf die Bühne zu bitten, die dann einspringen durften. Zwei Kinder sorgten unter seiner Anleitung mit Plastikrohren für den Rhythmus, ein weiteres spielte auf die Zeichen des Dirigenten Motonori Kobayashi Glockenspiel.

Eine weitere für viele bekannte Melodie folgte, „Somebody that I used to know“ von Gotye. In diesem Zusammenhang wurde den Kindern eine Loop Machine erklärt. Man hätte damit noch weiter herumspielen können, aber die Zeit ist ja knapp und sowas eignet sich vielleicht auch besser in einem kleineren Rahmen mit der Möglichkeit zum selber Ausprobieren. Ich war ja nie Fan des Liedes aber in dem Arrangement von Matthias Grimminger war es doch ganz schön, aber noch lange kein Lieblingsstück. Darum ging es ja auch später.

Vorher wurde noch gezeigt, wie leicht man von Bachs „Toccata“ bis zu „Thunderstruck“ von ACDC kommt. Damit das klappen konnte, mussten die Kinder auf das Zeichen von Jörg Lengersdorf immer wieder „Caro!“ rufen. Und was soll ich sagen, es hat funktioniert. Bach passt noch zu ganz anderen neueren Stücken, ich nenne seine Epoche nicht umsonst BaRock’n’Roll!

SchneckenreiterDann ging es um die titelgebenden Lieblingsstücke. Die Philharmoniker hatten vorab schon mit kurzen Videos auf Facebook zur Abstimmung gebeten, die Entscheidung fiel aber im Konzertsaal. Zur Wahl standen Pharrell Williams „Happy“, Michael Jacksons „Beat it“ und „Counting Stars” von One Direction. Es wurden jeweils kurze Ausschnitte gespielt. Bei „Happy” herrschte Mitklatschalarm und dementsprechend fiel auch der Applaus aus, bei Jackson war es (leider) erwartungsgemäß etwas stiller und offensichtlich saßen viele Fans von One Direction im Publikum. Als deren Titel zum Sieger erklärt wurde, hörte man auch ein spontanes „Ja!“ aus verschiedenen Richtungen. Ich finde ja, Caroline hat die Kinder beeinflusst, die hat doch tatsächlich begeistert gesungen, als das Lied vorgestellt wurde!

Mit „Czardas“ von Vittorio Monti kam dann noch mal mehr Schwung in die Bude, aber leider war das auch schon das letzte Stück. Na gut, nicht ganz. Es gab eine Zugabe, bei der Caroline und Jörg nicht nur beide spielten, sondern auch tanzten. Das Publikum war begeistert und dementsprechend war es kein Wunder, dass im Foyer fleißig ihre CD verkauft wurde und sie viele Autogramme geben musste.

Autogrammstunde Caroline AdomeitEs war mein erstes Familienkonzert, aber sicherlich nicht mein letztes. So ein kleiner Klassik-Quickie am Sonntagmittag ist was Schönes und es macht besonders Spaß, wenn man die begeisterten Kinder beobachten kann. Mit dem Moderatoren, der Solistin und dem Dirigenten hatte das Konzerthaus ein tolles Team auf der Bühne, das perfekt in das Konzept passt.

Ich habe jetzt bis zum 22. November Zeit, den „famko song“ auswendig zu lernen, denn dann heißt es beim zweiten Familienkonzert „Ritter Gluck im Glück“. Vielleicht machen wir dann vorher aus, in welches der beiden Konzerte die Twitterfamilie geht. Alle zusammen sind im storify zum Konzert vertreten. Die Illustration zum Konzert gibt es übrigens auch als Bildschirmhintergrund.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: