Frankensteins Erben werden keine Klassiker

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Auf Frankensteins Erben stieß ich bei Lovelybooks und nahm an der Leserunde teil. Viele andere haben aufgegeben und ich verstand viele Kritikpunkte. Ich würde zustimmen, dass es kein Buch für jeden ist. Wieso, lest ihr hier.

Vom Digitalverlag Endeavour wurde der Roman als genial-skurril angekündigt, in dem die Charaktere „einen leidenschaftlichen Streit zwischen Kunst und Wissenschaft, Liebe und Kalkül“ austragen. Damit ist auch schon zusammengefasst, was das Problem ist: Mit Liebe und Kalkül spricht an noch viele an, bei Kunst und Wissenschaft werden es schon weniger und wenn ein Buch dann so vollgepackt mit Zitaten und Anspielungen wird, kann es kein Bestseller mehr werden.

Spiel um deinen Job

Aber zunächst zur Handlung: Der Dozent Perikles bekommt die einmalige Chance, seinen Dozentenjob zu behalten, indem er ein Theaterstück mit Studierenden auf die Bühne bringt. Die Gruppe entscheidet sich für eine Adaption für Mary Shelleys Frankenstein und damit hört der Konsens eigentlich auch schon auf.

Wissenschaftliche Diskurse stören den Lesefluss

Jens-Ulrich Davids beschreibt sehr gut die praktische Theaterarbeit, weite Strecken sind aber theoretische Traktate. Streckenweise wirkt das Buch eher wie eine wissenschaftliche Arbeit. Es quillt voller Zitate über und wer Brecht, Artaud, Nietzsche, Freud oder Brook nicht kennt, mag die Geschichte ratlos verfolgen. Für mich als studierte Theater- und Literaturwissenschaftlerin war das weniger ein Problem, bei eidophysikon war ich allerdings auch auf Wikipedia angewiesen.

Proben und Probleme

Parallel schafft Davids es aber, die Probenphase sehr realistisch darzustellen. Besonders wenn es um die Aufwärm- oder Improvisationsübungen geht, erinnerte ich mich das sehr an frühere Proben. Aber es geht so schrecklich langsam voran, sowohl in den Proben als auch im Roman. Dabei ist das Thema wirklich interessant, denn es werden interessante Aspekte diskutiert. Es geht immer wieder um das Monsterhafte im Menschen und das Menschliche im Monster – nicht nur auf der Bühne. Das sind für mich die stärksten Stellen des Buches, davon hätte ich gerne mehr gehabt. Stattdessen habe ich mich gefragt, warum die Geschichte 1999 spielt und was es mit den Auftritten von ‚Mary Shelley‘ auf sich hat. Da reichten auch mein Wissen und meine Phantasie nicht für eine Interpretation. Und dann gibt es noch die Studentin, die sich gezwungen sieht, in der Waffenfabrik zu arbeiten…

Lieber das Original als Frankensteins Erben

Frankensteins Erben ist also wirklich nicht mein Lieblingsbuch geworden, aber ich bereue auch nicht, es gelesen zu haben. Am Ende kam doch noch Schwung in die Geschichte – ich verstehe aber auch jeden, der es nicht bis dahin aushält. Apropos: Ich will jetzt dringend Frankenstein lesen!

Frankensteins Erben ist bei Endeavour Press als eBook erschienen.

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